Blog posts   << Previous post | Next post >>
Plato, Dialogues, Critias. Atlantis, plan drawings by Mario Coppa, 1968-1969.
© Mario Coppa, Storia dell´urbanistica. Le età ellenistiche. Tomo primo (Rom: Officina Edizioni, 1981), 44.
Plan of Turin, late eighteenth century: "... in Turin the fortifications with its ´cordon sanitaire´ occupy more space than the built-up area."
© Urban Structuring. Studies of Alison & Peter Smithson (London: Studio Vista - New York: Reinhold Publishing Corporation, 1967), 76.
Robert Owen, A View and Plan of the Agricultural and Manufacturing Villages of Unity and Mutual Co-operation, about 1817.
© Bibliotheque Nationale de France, Departements des Imprimes, Paris.
Warren Chalk, Submarine City, 1964.
© Warren Chalk.
Charles F. Priest, Shaker village in Harvard, plan of the first Community, 1833, crayon, ink and watercolour on paper. Library of Congress, Geography and Map Division, Washington, D.C.
© Ruth Eaton, Die ideale Stadt. Von der Antike bis zur Gegenwart. Übersetzung: Nikolaus G. Schneider (Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2003), 96.

Post

Posted 07 Mar 2006

Joost Meuwissen, ´Die Idealstadt´, Vortrag im Schülerworkshop Akademie macht Schule am 7. März 2006 an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Die Idealstadt. Kurzfassung

Joost Meuwissen

Leute haben über die Stadt immer ihre Gedanken und Bedenken gehabt, weil sie nicht etwas Natürliches ist, oder darstellt, wie die Landschaft oder die Landwirtschaft es macht. Deshalb wurden bessere Städte entworfen, oft in der Form einer Idealstadt. Die Verbesserungen oder Wünsche sind aber meistens Verbesserungen von gewissen Aspekten der bestehenden Städte, sowie die Wünsche meistens Teilwünsche sind, wie zum Beispiel „mehr Grün in die Stadt“ oder „keine Staus“. Die Idealstädte sind deshalb meistens einseitig konzipiert worden. Das macht sie oft so lustig, eigentlich lustiger als die bestehenden Städte.
Für Platon, 2500 Jahre her, soll die Stadt am Meer liegen, kreisförmig sein, wobei die Ringen des Kreises von breiten Wassern voneinander und von der Aussenseite getrennt worden waren. Im mittleren Insel ist die Verwaltung, und die Leute leben in den Ringen ringsherum. Nicht überall sind da aber Häuser gebaut worden. Die Stadt ist ziemlich gross, hat aber nur 20.000 Einwohner. Sie braucht, um zu leben, zum Essen, die Landwirtschaft in einer Landschaft im Hinterland, das 191.000 Quadratkilometer gross sein soll. Fast so gross wie Österreich.
Nach der Erfindung der Anwendung des Pulvers (Feuerwaffen) 2000 Jahre später, konnten Städte, auch bessere, idealere Städte, nicht mehr rund sein, weil eine Schiesslinie nicht biegt. Deshalb wurden die Städte allmählich von einer dreieckigen System der Befestigung umgeben, dass mit der Stadt an sich nichts zu tun hatte. Im Falle Turins war die dreieckige Befestigungsanlage gleich gross wie die Stadt an sich, wurde aber kaum genutzt, und wie überall in Europa im neunzehnten Jahrhundert, als ausserhalb der Mauer mehr Stadt als innerhalb der Mauer gewachsen war, abgerissen, und meistens von schönen Grünanlagen mit Verkehrsmöglichkeit oder wie in Wien von der Ringstrasse ersetzt.
Zugleich wurden im neunzehnten Jahrhundert von den Sozialisten Idealstädte um Industrieanlagen in der Landschaft, mit Landwirtschaft überall ringsumher, entworfen, damit man mit den alten Städte, ihrer Schmutz, ihrem Elend und ihrer Unterdrückung der Arbeiter nichts mehr zu tun zu haben brauchte. Diese Städte bilden geschlossene Gemeinschaften, ein Wenig vergleichbar mit den in unserer Zeit (gated communities im amerikanischen New Urbanism) in einer Landschaft, und haben meistens auch nur 20.000 Einwohner (eine heutige Dorfgrösse).
Am Ende des neunzehnten Jahrhundert kam dann der reine Reiz der technischen Möglichkeiten, mit in der Luft schwebenden Städten, und später, in den 1960er Jahren während der Popmusikkultur, Spaβstädte, Städte unter Wasser, solche, welche nur mit einem Punkt den Boden berührten, damit die Landschaft ökologisch nicht unterbrochen werden würde, oder auch Städte auf Beinen, welche sich bewegen konnten in Richtung auf die ideale Stelle auf der Erde.
Die schönsten Idealstädte sind aber eigentlich solche, wo gewisse Überzeugungen, wie zum Beispiel religiöse, in einfachen Regeln umgesetzt worden sind, wie zum Beispiel in den Shakerdörfern um 1800 in den Vereinigten Staaten, wo alle Häuser entlang einer einzigen Strasse liegen, mit den Fluren und Feldern dahinten, und alle Häuser zwei Vordertüren haben, damit Frauen und Männer unabhängig voneinander ins Hause gehen können, nicht, weil es da einen Unterschied gibt, sondern weil sie grundsätzlich gleich sind. Man kann darüber diskutieren, die einfache Darstellung dieser Dörfer macht es aber auch möglich, dass darüber diskutiert werden kann.

 

Acknowledgements

Giulio C[arlo] Argan, The Renaissance City. Translated by Susan Edna Bassnett (New York, N.Y.: George Braziller, 1969).

Françoise Choay, The Modern City: Planning in the 19th Century. Translated by Marguerite Hugo and George R. Collins (New York, N.Y.: George Braziller, 1969).

Mario Coppa, Storia dell´urbanistica. Le età ellenistiche. Tomo primo (Rom: Officina Edizioni, 1981), 43-46.

Ruth Eaton, Die ideale Stadt. Von der Antike bis zur Gegenwart. Übersetzung: Nikolaus G. Schneider (Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2003).


Tags for this post:
ideal city

0 comment(s)
Blog posts   << Previous post | Next post >>