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Piet Elling, Postamt am Oosterdok, Amsterdam, 1960-1968 erbaut, 2010-2011 abgerissen, Ostansicht.
© Wim de Wagt, Piet Elling 1897-1962 Een samenstemmende eenheid (Bussum: Uitgeverij Thoth, 2008).
2004-2008 Stedelijk Museum im Postamt.
© Photo Herreb, January 24, 2011, http://www.at5.nl/gespot/56329/sloop-post-cs , besucht March 9, 2011.
Einladung zum Vorstandswechsel des Amsterdamer Gestaltungs- und Denkmalbeirates am 30. Juni 2011.

Post

Posted 07 Jun 2011

Joost Meuwissen

Das Postamt am Oosterdok (Ostdock) nächst zum CS (Hauptbahnhof) im Amsterdamer Hafen wurde 1960-1968 vom Architekten Piet Elling (1897-1962) gebaut. Es verlor erst seine Funktion, als die Post nicht mehr über die Eisenbahn transportiert wurde. Im Gebäude hatte ich 1986-1999 das Postschliessfach meiner Zeitschrift Wiederhall, und habe es deshalb häufig besucht. Wie viele Kulturinstitutionen hatte ich meine Post dort, weil es in der Nähe war, auch aber wegen der hervorragenden Architektur des Gebäudes.

Schon vorher fand ich es ein wunderbares Gebäude, weil es den von Wässern durchschnittenen Bahnhofsvorplatz aus der ebenfalls vom Wasser beherrschten Ferne her beendete. Es stand zugleich am Platz wie auch in der Ferne.
Dass so etwas geschafft werden konnte, hatte nicht nur auf malerische Weise mit der erheblichen, auch noch perspektivischen Länge seiner entlang dieser Länge etwa stufenweise in die Höhe gehenden Vorbauten. Es hatte vor Allem auf architektonische Weise mit der Volumetrie der distanzierten Scheibe an und für sich zu tun – mit keiner Proportion, sondern altmodisch mit einem Maβstäblichkeit in der über die Teile ablesbaren Fläche einer Fassade in der Ferne. Ein Bildschirm, kein Würfel. Im Jahre 2003 schon hatte die Stadt die Möglichkeit einer Neugestaltung der Fassade genehmigt. Es wurden die niedrigeren Vorbauten abgerissen, zugunsten des Neubaus der Stadtbibliothek vom Architekten Jo Coenen, eines riesigen räumlich ausgekleideten Würfels. Dadurch war die Fernewirkung der ab dann etwa dahinten versteckt liegenden Postamtscheibe verloren gegangen.
Beim Bau des Postamtes in den 1960er Jahren war die Weitewirkung am Hafenrand städtebaulich wichtig gefunden worden. Im neuen Masterplan für die Ostdockinsel (Oosterdokseiland) ging Erick van Egeraat jedoch von einem isolierten, punktmäβigen, massiven Hochhäuservertürmung der ganzen vom Wasser umgebenen Insel aus, ähnlich wie Rem Koolhaas es für die Insel schon 1992 vorgeschlagen hatte, als Tjeerd Dijkstra der städtische Aufsichtsrat für die Hafenufer war. Eigentlich ein mehr oder weniger regelmäβiger Volumenhaufen statt Schirm.
Im Masterplan wurden die Bauvolumen dem Umriss der Insel zufolge zwar in südlicher Richtung fächerförmig verteilt und die von einer neuen Fassade zu versehende ehemalige Postamtscheibe wie ein neues Volumen oder, wie Wim de Wagt schreibt, 'imponierenden Koloss'* in diese Fächerförmigkeit aufgenommen. Allmählich aber wurde somit klar, dass die Scheibe, ohne die Fassade, welche andeutete, es ginge um Fläche statt Volumen, als bloβes Volumen auch städtebaulich keinen Zweck mehr hatte.
Ab 2004 wurde auf einigen Geschossen der Scheibe das Stadtmuseum (Stedelijk Museum) untergebracht, dessen Hauptgebäude seit 2003 umgebaut wurde. Die übrigen Geschosse wurden vermietet an jüngere Design- und Medienfirmen. Das Gebäude wurde 'Post CS' getauft, bis sich 2008 die Sicherheitslage, vor Allem der Diebstahl, mehr und merh verschlimmerte. Legionellose aus dem Lüftungsschacht tötete zwei Leute und verletzte vier schwer. Wegen der jetzt allmählich isolierteren Lage in der Nähe der Stadtmitte und dem Hauptbahnhof wurde es auch zum Zufluchtsort für Obdachlosen. Die Unternehmen gründeten eine neue Stiftung, welche nach ähnlich ziemlich groβen Büroräumen in einem teils leerstehenden Bankgebäude im Stadtzentrum umzog. Das Postamtgebäude, oder was davon übrig geblieben war, wurde 2011 abgebrochen. Eines der schönsten Gebäude Amsterdams existiert nicht mehr. 

 

*  Wim de Wagt, Piet Elling 1897-1962 Een samenstemmende eenheid (Bussum: Uitgeverij Thoth, 2008), 173.

 


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